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Walpenorgel  

 


DIE WALPENORGEL (1842-44 erbaut)

Seit den 1980er Jahren nicht mehr in Betrieb
(1842-44 erbaut von Thomas Silvester Walpen, 1853 versetzt und erweitert,
2003 restauriert nach 1844/53)
im Stiftsbezirk der Hofkirche Luzern
(Quellen: Werner Endner © 2000)

Disposition
Geschichtliches
Bericht Orgelbau Kuhn
 

 

   

Untersuchungsbericht der Orgelbaufirma Kuhn

April/ Mai 2000
Wolfgang Rehn, Geschäftsleiter Restaurierung

Im Frühling 1999 fand im Hinblick auf eine Restaurierung der Chororgel in der Hofkirche Luzern eine Voruntersuchung des Instruments statt. Der Befund liess viele Tatsachen über dessen Zustand 1853 an den Tag treten, während über den von Walpen im Jahr 1842 geschaffenen Originalzustund nur recht bescheidene Aussagen gemacht werden konnten. Die Ergebnisse fanden ihren Niederschlag in einem eingehenden Bericht und Konzept für die Restaurierung.

Im Februar und März dieses Jahres wurde die Orgel nun demontiert. Es galt also, alle Besonderheiten der Ausführungen und Materialien des Orgelbauers Walpen genau zu analysieren, zu beschreiben und zu inventarisieren. Diese Phase ist von entscheidener Bedeutung für den Gesamterfolg einer Restaurierung. Eine akribische Suche und Beurteilung der vorhandenen Spuren führte zu einer Neubeurteilung und Anpassung des Restaurierungskonzeptes.

Der Wert eines historischen Musikinstrumentes misst sich unter anderem an seiner Originalität. Veränderungen und Umbauten finden sich bei einer Orgel in einem Zeitraum von über 150 Jahren eigentlich immer. Manchmal sind die Veränderungen vordergründig erkennbar. Vielfach führt aber nur detektivische Kleinarbeit zur Feststellung späterer Eingriffe. Manchmal wurden die alten Orgel bis zur Unkenntlichkeit verändert. Im Extremfall verbergen sich hinter den alten Fassaden völlig neue Instrumente. Ist der Bauzustand eines Instrumentes einmal so weit verändert, kann es natürlich nicht im eigentlichen Sinn restauriert werden. Im günstigsten Fall finden sich noch Spuren und Archivquellen, die eine Rekonstruktion ermöglichen.

Auch die Chororgel in der Hofkirche Luzern weist eine bewegte Geschichte auf. Aus den Akten wissen wir, dass Walpen vier Register mehr gebaut hat, als dies im Bauvertrag vorgesehen war. Welche Register dies waren, verraten uns die Akten nicht. Ebenso wissen wir aus Archivquellen von einem Umbau der Orgel im Jahre 1853, der von Walpen selbst ausgeführt wurde. Einen weiteren, schwerwiegenden Eingriff bedeuteten die Arbeiten von 1941, als die Orgel mit einer pneumatischen Steuerung versehen wurde. Es galt bei den Untersuchungsarbeiten deshalb genau festzustellen, welche Veränderungen sich im Einzelnen daraus ergeben hatten.

Zusammenfassend kann man sagen, dass trotz markanter Eingriffe die Orgel immer noch eine grosse Menge Originalsubstanz besitzt. Dies in einem Umfang, wie er vergleichsweise an keiner anderen Orgel dieses berühmten Schweizer Orgelbauers noch vorhanden ist. Das Pfeifenwerk ist beispielsweise weitestgehend erhalten, ebenso die originalen Windladen und der Prospekt (Fassade) der Orgel. Spieltisch und Mechanik gingen dagegen durch die den Einbau einer pneumatischen Steuerung der Orgel im Jahre 1941 verloren.
Als besonderer Glücksfall muss die Erhaltung der alten Balgplatten der Blasbälge empfunden werden. Diese wurden als Fussbodenbretter weiterverarbeitet, nachdem man um die Jahrhundertwende die Balganlage erneuert hatte. Der Fussboden und die darunter liegende Balkenkonstruktion erwiesen sich für die Orgelrestauratoren als "Fundgrube" im wahrsten Sinne des Wortes. Unter dem Boden fand sich die alte Kanalanlage und der Grundrahmen der Orgel in der Aufstellung von 1842. Ebenso konnte die exakte Originalposition des Spieltisches und der ursprüngliche Verlauf der Mechanik an erhaltenen Lagern ermittelt werden. Der sparsame Umgang mit Material vergangener Zeiten bescherte hier wirklich eine Fülle von Informationen, bis hin zum Auffinden der alten Balken zum Treten der Bälge.

Man darf feststellen, dass sich aus den Untersuchungen anlässlich der Demontage der Orgel eine grosse Fülle von Informationen über die Walpenorgel ergeben hat. Verbunden mit der grossen Menge noch erhaltener originaler Substanz ist man jetzt in der Lage, die Restaurierung der Orgel auf einer gesicherten Grundlage planen und ausführen zu können.

Die Wiedergewinnung der Walpenorgel in der Hofkirche Luzern ist somit nicht Wunschtraum, sondern ein realistisches Ziel auf beweisbarer Grundlage.